Ihre Fragen –
Unsere Antworten.

Wieso, weshalb, warum – bei den Themen Littering, Zigaretten­filter und Zigaretten­abfälle gibt es viele Ideen, Ansätze und Frage­zeichen. Im Aufklapp­menü unter jeder Frage finden Sie unsere Antworten.

Was ist „Littering“?

Littering – vom englischen Wort „litter“ – bezeichnet das Wegwerfen oder Liegenlassen von Abfall in der Umwelt. Littering ist ein globales Problem und betrifft nicht nur Zigarettenabfälle, sondern auch Kaugummis, Verpackungen oder Zeitungen, und kann bis hin zur illegalen Entsorgung von Autoreifen, alten Kühlschränken oder Bauschutt gehen. Dabei sieht der Abfall in der Natur nicht nur unschön aus, er birgt auch nicht unerhebliche Gefahren für die Umwelt. Das gilt es unbedingt zu verhindern.

Wieviel Abfall wird in Deutschland gelittert?

Das ist schwer zu sagen, da „gelitterter Abfall“ von den deutschen Kommunen nicht einheitlich dokumentiert wird. Das Umweltbundesamt (UBA) geht von jährlich ca. 300.000 Tonnen aus, das entspricht etwa 0,6 Prozent der anfallenden haushaltstypischen Siedlungsabfälle (2015). Dabei lässt sich ungefähr die Hälfte des gelitterten Abfalls dem Bereich „Essen, Trinken, Konsumieren“ zuordnen, es sind also Reste von Take-away-Packungen und Getränkebechern, aber auch Zigarettenabfälle. Dabei räumt das UBA ein, dass Litter oder Streumüll keine einheitlich geführte Kategorie ist und in den Kommunen und Entsorgungsbetrieben unterschiedlichen Abfallkategorien zugeordnet wird. So wird Litter oft allgemein zum Siedlungsabfall gezählt, es wird nicht zwischen Litter, Streusalz und Grüngut unterschieden. Zur Größeneinordnung: Jährlich fallen in Deutschland insgesamt etwa 6,15 Millionen Tonnen Abfall aus Kunststoff an.

Was sind die Ursachen für Littering?

Es gibt viele Faktoren, die das achtlose Wegwerfen von Abfällen fördern.

  • Bequemlichkeit, Eile oder Gewohnheit – oft einhergehend mit fehlendem Bewusstsein für die Folgen.
  • Fehlende, überfüllte, nicht sichtbare oder nicht bedarfsgerechte Entsorgungsmöglichkeiten.
  • Insgesamt fällt immer mehr Abfall im öffentlichen Raum an: Es wird mehr unterwegs gegessen und getrunken. Das führt zu mehr Abfall durch Verpackungen und Getränkebechern. Durch viele Rauchverbote wird mehr draußen geraucht.
  • Bereits verschmutzte Bereiche verleiten zum weiteren Littering. Diese wirken wie Initiationspunkte, wo die Bereitschaft des Einzelnen sinkt, seinen eigenen Abfall noch ordnungsgemäß zu entsorgen. Hier spielen sichtbare, aber schwer zugängliche Flächen eine wesentliche Rolle. Dies können Grundstücksgrenzen, Brachen, Grünstreifen und Böschungen – oft entlang des
    öffentlichen Nahverkehrs oder Straßen – sein, die seltener gereinigt werden.
Was hilft gegen Littering?
  • Öffentlichkeitsarbeit: Viele Maßnahmen können für die Problematik des Litterns sensibilisieren. Zum Beispiel Aufklärung über Plakate, Print- und soziale Medien, zielgruppenspezifische Umwelterziehung, Einsatz von Nudges, Kampagnen, Flyer.
  • Mehr und bessere Entsorgungsmöglichkeiten: öffentliche Abfalleimer sowie eine an die Nutzung und Situation angepasste Platzierung und Leerung von Abfallbehältern können das Problem entschärfen.
  • Produktdesign: Die Hersteller von Produkten, die nur einmal oder nur für einen kurzen Zeitraum verwendet werden, sollten die Gestaltung ihrer Produkte und Verpackungen auf höhere Nachhaltigkeit hin überdenken.
  • Bessere Zusammenarbeit von Betroffenen und Verantwortlichen: Gerade bei „Hot Spots“ kann eine Stärkung der Verbundenheit mit dem Wohnort, Kiezaktionen, Säuberungsaktionen, Nachbarschaftsaktivitäten, Einsatz von „Kümmerern“ und eine Optimierung des Schnittstellenmanagements viel bewirken – und so manche „Dreckecke“ dauerhaft beseitigen.
  • Regelmäßige Kontrollen und höhere Bußgelder: Die strengere Durchsetzung bereits bestehender Verbote oder eine Verschärfung von Sanktionen sind wichtige Signale, damit die gesellschaftliche Akzeptanz von Umweltverschmutzung sinkt.
  • Angepasste Reinigungshäufigkeit: Die Reinigung von Bereichen sollte stetig an seine Nutzung und Sauberkeit angepasst werden: gerade an stark frequentierten Bereichen kann eine Tendenz zum Vermüllen durch größere Sauberkeit umgekehrt werden – während manche Bereiche vielleicht nicht so häufig gereinigt werden müssen.
  • Gewerbetreibende in Mitverantwortung nehmen: "Hot Spots" sind oft öffentliche Bereiche, die an gewerbliche Nutzung angrenzen, z.B. an gastronomische Einrichtungen und Veranstaltungsorte wie Clubs oder Freizeitparks, die Eingangsbereiche von Einkaufscentern, Büros oder Bahnhöfen, Behörden und Ämtern. Die Betreiber können relativ einfach für geeignete Entsorgungsmöglichkeiten sorgen und ihren Außenbereich sauber halten.

Produktbezogene Maßnahmen

  • Mehrweg- und Pfandsysteme
  • Reduzierung Einwegverpackung
  • Reduzierung Einwegtragetaschen
  • Produktdesign
  • Erweiterte Herstellerverantwortung

Abfalllogistische Maßnahmen

  • Abfallbehälter
  • Management von betrieblich genutzten Kunststoffen
  • Management großer Littering-Items

Kommunale Maßnahmen

  • Anpassung: Verwaltungsvorschriften / Kommunale Satzungen / Nutzungsrechte
  • Buß- und Verwarngelder
  • Abfallberatung
  • Mülldetektive

Bildungsmaßnahmen

  • Umweltbildung für Kinder und Jugendliche
  • Umweltbildung für Erwachsene

Sensibilisierungsmaßnahmen

  • Abfallsammelaktionen
  • Raumpatenschaften
  • Sensibilisierung in Kombination

Nudges

  • verhaltensändernde Maßnahmen jeglicher Art
  • Bsp. Aufkleber Richtung Abfallbehälter
  • Belohnung bei Sammelaktionen
Was kann jeder Einzelne beitragen?

Auch beim Thema Littering ist die sinnvollste Lösung die einfachste: Am besten, jeder Einzelne übernimmt Verantwortung und handelt umweltbewusst.

  • Raucher sollten ihre Zigarettenabfälle ordnungsgemäß in einem Aschenbecher oder einem Abfalleimer entsorgen und sich mit einem tragbaren Aschenbecher ausstatten, wenn Sie unterwegs sind.
  • Nichtraucher können Raucher auf die Umweltauswirkungen aufmerksam machen, wenn diese ihre Zigarettenabfälle wegschnippen.
  • Unternehmen, Veranstalter und Hersteller können mehr Aschenbecher für Raucher und Mülleimer bereitstellen.
Was unternimmt die Industrie?

Die Industrie macht sich stark für ein größeres Problembewusstsein bei den Konsumenten.

  • Sensibilisierung: Wir vom BVTE möchten das Problem der Zigarettenabfälle nachhaltig lösen und setzen uns deshalb für eine Sensibilisierung und langfristige Änderung des Verbraucherverhaltens ein – mit Kampagnen, Taschenaschenbechern, Sponsoring von Sammelbehältern sowie der Unterstützung von Initiativen und konkreten Aktionen für eine saubere Umwelt.
  • Verantwortung: Die Hersteller von Tabakproduktfiltern stehen zu ihrer Verantwortung und beteiligen sich zukünftig an den öffentlichen Kosten, die durch die Entsorgung ihrer Produktabfälle im öffentlichen Raum entstehen.
  • Information: Ab Juli 2021 tragen Packungen mit kunststoffhaltigen Zigarettenfiltern eine Information, die deutlich darauf hinweist, dass diese Produkte Kunststoff enthalten. So werden Raucher beim Konsum daran erinnert, ihre Abfälle ordentlich zu entsorgen. Die Verpackungen von Zigaretten und Tabakproduktfiltern aus Celluloseacetat tragen ab dem 03. Juli 2021 folgende Kennzeichnung:

 

Übernehmen Hersteller Verantwortung für die Umwelt?

Künftig übernehmen Hersteller von Einweg-Kunststoffprodukten mehr Verantwortung für die Abfälle ihrer Produkte – auch die Zigarettenhersteller für Tabakproduktfilter aus Celluloseacetat. Konkret heißt das: Hersteller beteiligen sich an den Kosten für die Reinigung des öffentlichen Raums. Dazu gehören die Straßenreinigung, die Leerung der öffentlichen Abfalleimer sowie der Transport und die Behandlung dieser Abfälle. Außerdem beteiligen sich die Hersteller an den Kosten für Sensibilisierungsmaßnahmen. Im Dialog mit der Politik und anderen Beteiligten arbeitet die Tabakwirtschaft gemeinsam mit anderen Herstellern daran, dieser erweiterten Herstellerverantwortung gerecht zu werden und diese neuen und komplexen Aufgaben zu verwirklichen.

Wie beteiligt sich die Industrie an den Kosten?

Bezüglich der Höhe der zukünftigen Beteiligung der Industrie an den Kosten sind noch viele Fragen zu klären. So kommen zwei Untersuchungen aus dem Jahr 2020 in Deutschland zu den Fragen “Wieviel Zigarettenabfälle fallen im öffentlichen Raum an?” und “Wie hoch sind die bisherigen Reinigungskosten?” zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Viele Fragen zur Berechnung und den Faktoren, die für die Festlegung der Kostenbeteiligungen einbezogen werden müssen, sind noch offen. Die Europäische Kommission arbeitet an einem Leitfaden, der eine Hilfestellung bei diesem Prozess sein soll. Denn der Gesetzgeber hat einige Bedingungen für die zukünftigen Kostenbeteiligungen festgelegt:

  • Die Kosten müssen auf effizienten Leistungen basieren, das bedeutet: Die Abfallsammlung und Reinigung muss mit einem möglichst geringen Aufwand erfolgen.
  • Die Kosten müssen zwischen allen Akteuren festgelegt werden, das bedeutet: Auch Hersteller und Verantwortliche für die kommunale Entsorgung werden in diesen Prozess eingebunden.
  • Die Kosten müssen auf transparente Weise festgelegt werden, das bedeutet: Für die Berechnungen müssen valide und zugängliche Daten vorhanden sein, damit die Berechnungen
    nachvollziehbar sind.
  • Die Kosten müssen verhältnismäßig sein, das bedeutet: Je nach Mengenanteil werden sie dynamisch mit den durchgeführten Maßnahmen und Erfolgen angepasst.

Nur eine reine Umverteilung der Reinigungskosten löst das Problem „Littering“ nicht.

Littering
Studienvergleich

Die Ingenieurgesellschaft pbo hat ermittelt, welche Mengen an Zigarettenabfällen in den verschiedenen Abfallsystemen zu finden sind. Mehr als die Hälfte der in Deutschland konsumierten Zigaretten wird ordnungsgemäß im Hausmüll entsorgt. Im öffentlichen Abfall machen Zigarettenabfälle beim Gewicht im Mittel 0,56 Prozent der Gesamtmenge aus. Eine andere Studie, die vom Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) beauftragt wurde, ermittelt einen etwas höheren Anteil von etwa 1,3 Prozent Zigarettenabfällen im öffentlichen Abfall.

Beide Studien stellen eine erste wichtige Datengrundlage für die künftige Kostenkalkulation dar. Während die Ergebnisse bei den ermittelten Abfallmengen noch relativ nah beieinander liegen, sieht dies bei den Kosten anders aus. Laut pbo-Studie lässt sich selbst bei sehr hoch veranschlagten Stadtreinigungskosten von jährlich 38,80 Euro pro Einwohner maximal eine Beteiligung von etwa 24 Mio. Euro pro Jahr für die Hersteller von Tabakprodukten an der Stadtreinigung berechnen. Dagegen erwartet der VKU eine unverhältnismäßig hohe jährliche Kostenbeteiligung von 225 Mio. Euro. Diese sehr unterschiedlichen Resultate zeigen, dass bei den zukünftigen Kostenfestlegungen besonderer Wert auf einen transparenten Prozess mit nachvollziehbaren Leistungen für alle Beteiligten gelegt werden muss.

Studienvergleich ansehen

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Filter –
& alles, was man über sie wissen muss

Woraus besteht ein Zigarettenfilter?

Das Grundmaterial der meisten Tabakproduktfilter ist Celluloseacetat, ein bio-basierter Kunststoff, der aus dem nachwachsenden Rohstoff Cellulose hergestellt wird. Cellulose ist der Grundbaustein aller Pflanzen, d.h. alle pflanzlichen Materialien, wie Holz oder Gras bestehen vor allem aus Cellulose. Daher ist Cellulose das Biomolekül, dass auf der Welt am häufigsten vorkommt. Celluloseacetat entsteht, indem man den natürlichen Rohstoff Cellulose durch das Anfügen von Acetat-(Essigsäure)-gruppen modifiziert.

Wofür braucht man den Filter?

Filter haben die Aufgabe, Tabakrauch zu filtrieren und einen Teil der Substanzen aus dem Tabakrauch zurückzuhalten. Sie sind erforderlich, um die gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwerte von Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid im Tabakrauch einzuhalten, und sie verhindern darüber hinaus, dass Tabakkrümel in den Mund gelangen. Die meisten Raucher bevorzugen Zigaretten mit Filtern, sei es als Fabrikzigarette oder beim Selberdrehen.

Seit wann gibt es Filter?

Die Produktion von Zigaretten mit Filtern begann in den 1950er Jahren. Heute werden Fabrikzigaretten fast ausnahmslos als Filterzigaretten nachgefragt. Seit den 1970er Jahren hat sich Celluloseacetat als Ausgangsmaterial für Zigarettenfilter weltweit durchgesetzt, da es die Rauchinhaltsstoffe effizient reduziert und nur einen geringen geschmacklichen Einfluss hat.

Der Gesetzgeber hat auf die Entwicklung von Filtern reagiert und seit 1993 Höchstwerte für verschiedene Rauchinhaltsstoffe in Zigaretten in Deutschland und Europa aufgestellt. Diese wurden in den letzten Jahrzehnten schrittweise abgesenkt: Während marktübliche Zigaretten in den 1950er Jahren noch Kondensat-Werte um die 30 mg pro Zigarette aufwiesen, sind heute maximal 10 mg pro Zigarette erlaubt. Ohne Filter könnten diese vorgeschriebenen Höchstwerte nicht eingehalten werden. Celluloseacetat war bis 2016 das einzige produktionstechnisch relevante Grundmaterial, das für die Herstellung von Zigarettenfiltern in Deutschland zugelassen war.

Wie giftig sind Reste des Tabakrauchs in Zigarettenabfällen?

Zigarettenabfälle enthalten Reste von Tabakrauch. Diese Substanzen können durch Regen ausgewaschen werden und in Böden und Grund- und Oberflächenwasser gelangen. Die Inhaltsstoffe haben das Potenzial, dort lebende Organismen zu schädigen; z.B. reagieren Süß- und Salzwasserfische in Laborversuchen mit Stressreaktionen auf Wasser, in dem ein Zigarettenrest eingeweicht wurde. Auch wenn diese Ergebnisse sich auf geschlossene Systeme in Behältern mit geringen Volumina und ohne Austausch beziehen, zeigen sie die potenzielle Wirkung von Tabakrauch auf Meeresorganismen.

Sind Zigarettenfilter biologisch abbaubar?

Ja. Biologisch abbaubar heißt, dass Mikroorganismen das Material in seine elementaren Bestandteile wie Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und weitere Elemente auflösen können. Während ein Apfel innerhalb von Wochen abgebaut wird, braucht ein Getränkebecher etwa 50 Jahre und eine Wegwerfwindel 450 Jahre. Zigarettenfilter sind biologisch abbaubar – es geht nur leider nicht besonders schnell. Im Schnitt dauert der Abbau je nach Umweltbedingungen zwischen 1-5 Jahren, kann aber unter schlechten Bedingungen auch länger dauern. Der zeitverzögernde Faktor hierbei ist die Abspaltung der Essigsäuregruppen (Acetat) vom Cellulosegrundgerüst. Sobald diese Gruppen abgespalten sind, wird das Material wie der Naturstoff Cellulose abgebaut. Der Abbau des Celluloseacetats wird anfangs zudem durch die Verarbeitung erschwert: Das Material ist im Filter komprimiert, mit Papier umhüllt und mit dem Tabakstrang verleimt. Wie lange es dann im einzelnen dauert, ist abhängig von den jeweiligen Bedingungen (Licht, Sauerstoff, Feuchtigkeit, pH-Wert).

Entsteht aus Zigarettenfiltern Mikroplastik?

Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Zigarettenabfälle als Mikroplastik enden. Mikroplastik sind nicht abbaubare Plastikteilchen, die kleiner als 5 μm sind. Meistens sind das Reste von Kunststoffprodukten, die durch mechanischen Abbau in der Umwelt verbleiben – bei herkömmlichen Kunststoffen aus Mineralölprodukten erfolgt nämlich kein stofflicher Abbau, sondern nur mechanischer. Einer der größten Verursacher von Mikroplastik in der Umwelt ist der Reifenabrieb: In Deutschland entstehen allein dadurch jährlich zwischen 60.000 und 111.000 Tonnen Mikroplastik. Da Celluloseacetat hingegen stofflich abgebaut werden kann, können Filter gar nicht zu Mikroplastikpartikeln zerfallen, im Gegensatz zu Kunststoffen aus Mineralölprodukten, deren Zersetzung in natürlicher Umgebung durchschnittlich viele hundert Jahre dauert.

Aufbau einer Zigarette

Gibt es Alternativen zu Celluloseacetat?

Bisher gibt es leider noch keine zufriedenstellende Alternative zu Celluloseacetat, obwohl Tabakunternehmen seit vielen Jahren an Zigarettenfiltern forschen, die schneller abgebaut werden. Im Ergebnis muss die Ökobilanz eines neuen Filters natürlich günstiger sein als die von Celluloseacetat – bei vergleichbaren Filtereigenschaften. Außerdem muss ein neues Material die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwerte im Tabakrauch garantieren und beständig gegenüber Wärme und Feuchtigkeit sein.

Gibt es bereits biologisch abbaubare Filter?

Ja, deutsche Filterhersteller haben das Celluloseacetat als Grundmaterial der Filter weiterentwickelt und dessen biologische Abbaubarkeit auch bereits zertifizieren lassen. Dieses neuartige patentierte Celluloseacetat ist schneller biologisch abbaubar, weil der erste Schritt, die Abspaltung der Acetat- (Essigsäure)-gruppe, sehr viel leichter erfolgt und Sonnenlicht/UV-Licht diesen Prozess erleichtert. Dieses Material ist bereits geprüft und hat für die Bedingungen im Boden, im industriellen Kompost, im Wasser und im Meer das Zertifikat „biologisch abbaubar“ erhalten. Es kommt bereits als Filtermaterial in Produkten auf dem deutschen Markt zum Einsatz. Dennoch ist das Grundmaterial nur ein erster Schritt: Die Konstruktion des Filters und die anderen Filterbestandteile wie Umhüllungspapiere und Leime müssen ebenfalls technisch weiterentwickelt werden, damit der Filter als Ganzes schneller abgebaut werden kann. Aber selbst dann gilt weiterhin: Zigarettenabfälle dürfen nicht achtlos weggeworfen werden – allein schon wegen der darin enthaltenen Tabakrauchsubstanzen. Ökologische Innovationen und entsprechende Verbraucherinformationen im Tabakbereich werden nicht gerade dadurch erleichtert, dass es den Herstellern seit 2016 in Deutschland untersagt ist, auf den Packungen oder in der Werbung darauf hinzuweisen.

Können Zigaretten mit Papierfiltern hergestellt werden?

Es gibt bereits Filter aus Papier für Zigaretten zum Selberdrehen. Für die Herstellung von Fabrikzigaretten war Papier bisher nicht besonders gut geeignet und bis Mai 2016 war der Einsatz als Grundmaterial für die Herstellung von Zigarettenfiltern sogar gesetzlich unzulässig. Papier lässt sich maschinell nicht gut verarbeiten und hat andere Filtereigenschaften als Celluloseacetat: Papierfilter verleihen der Zigarette einen anderen Geschmack, der – wie Tests belegen – in den meisten Fällen nicht dem Kundengeschmack entspricht. Celluloseacetat ist derzeit die beste verfügbare Option. Es garantiert aufgrund seiner guten Filtrationseffizienz die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwerte im Tabakrauch, hält Feuchtigkeitsschwankungen stand, ist beständig gegenüber Wärme und weist eine gute Haltbarkeit auf. Aber die Unternehmen arbeiten seit Jahren an der Entwicklung von ökologisch verträglicheren Filtern.

Wären besser abbaubare Filter die Lösung?

Besser abbaubare Filter würden ein Teilproblem der Zigarettenabfälle in der Umwelt lösen. Dennoch sollten Zigarettenabfälle nicht in der Umwelt landen – auch aufgrund der darin enthaltenen Tabakrauchsubstanzen. Zigarettenabfälle – egal aus welchem Material sie bestehen – enthalten immer Reste von Tabakrauch, und damit gesundheitsschädliche Substanzen. Genau diese zurückzuhalten ist schließlich die Aufgabe eines Filters. Wenn Zigarettenabfälle unsachgemäß entsorgt werden, können diese in die Umwelt gelangen.

Mit der Entwicklung von besser abbaubaren Filtern darf nicht das Gegenteil von dem erreicht werden, was wir alle wollen: eine saubere Umwelt. Denn die einzig nachhaltige Lösung ist und bleibt: die ordnungsgemäße Entsorgung der Zigarettenabfälle durch die Raucher selbst.

Zigaretten –
Die Frage nach dem Abfall

Sind Zigarettenabfälle gefährlicher Sondermüll?

Zigarettenabfälle werden in Deutschland entweder den gemischten Siedlungsabfällen (Abfallschlüssel 20 03 01) oder dem Straßenkehricht (Abfallschlüssel 20 03 03) zugeordnet. Beide Abfallarten sind als nicht gefährlich eingestuft. Der Begriff des Sondermülls wird im Kreislaufwirtschaftsrecht nicht verwendet, es wird vielmehr zwischen nicht gefährlichen und gefährlichen Abfällen unterschieden. Trotz der Tabakrauchrückstände enthalten Zigarettenabfälle keine größeren Mengen an gefährlichen Substanzen und werden deswegen als Bestandteil des Abfalls nicht als gefährlich eingestuft.

Zigarettenabfälle werden in Deutschland bei sachgemäßer Entsorgung in der Regel thermisch verwertet und stellen dann keine Belastung für Mensch und Umwelt dar. Sie werden gemeinsam mit anderen gemischten Siedlungsabfällen in dafür zugelassenen Restabfallbehandlungsanlagen beseitigt oder in Müllverbrennungsanlagen energetisch verwertet. Bei den Müllverbrennungsanlagen werden in der Regel Temperaturen von 800-1000°C erreicht. Diese Temperaturen sind ausreichend, um die Tabakrauchsubstanzen in Zigarettenabfällen effektiv zu zerstören.

Zigarettenabfälle, die ordnungsgemäß entsorgt werden, stellen weder mengenmäßig noch entsorgungstechnisch ein Problem dar. Nur wenn sie in der Umwelt landen, stellen sie aufgrund ihrer Schadstoffbelastung und wegen ihres langsamen Abbaus potenziell eine Gefahr und Belastung für Mensch und Umwelt dar.

Kann man Zigarettenabfälle recyceln?

Rein technisch gesehen ist es möglich, Zigarettenabfälle zu recyceln. Bislang ist das aber weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll. Es gibt verschiedene experimentelle Ansätze zum Recycling von Zigarettenabfällen: als schallisolierende Füllung, als Insektizid gegen Mückenlarven in den Tropen, zur Wiedergewinnung von Cellulose oder als Zusatz in Tonziegeln für den Häuserbau, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch sind Organisationen entstanden, die das Recycling von Zigarettenabfällen propagieren (z.B.: Tobacycle).

Grundsätzlich wird beim Recycling von Zigarettenabfällen zunächst das Filtermaterial von Papier, Tabak und Asche über einen Schüttelrost separiert. Ungefähr die Hälfte der Zigarettenstummel besteht aus dem Papier-Tabak-Asche-Gemisch, das kompostiert wird. Das gewonnene organische Material kann aufgrund der enthaltenen – wenn auch geringen – Mengen an Schadstoffen nur beigemischt und eingeschränkt als Dünger eingesetzt werden.

Die andere Hälfte ist das Filtermaterial. Die zerkleinerten Celluloseacetat-Fasern werden mit anderen Kunststoffen (oft im Verhältnis 1:9 mit Polypropylen) vermischt und geschmolzen. Dabei wird ein Granulat gewonnen, bei dem die Celluloseacetat-Fasern von der Polypropylen-Schmelze umschlossen sind. Aufgrund des möglichen Restgehalts an Tabakrauchsubstanzen kann das gewonnene Material nur für Produkte eingesetzt werden, die nicht in Kontakt mit Lebensmitteln gebracht werden, zum Beispiel Plastikpaletten oder Abfallsammelbehälter.

Durch die eingeschränkte Verwertbarkeit und Qualität des recycelten Materials muss man hier richtigerweise eher von Downcycling sprechen. Aufgrund des Energieverbrauchs und im Hinblick auf ein zusätzlich nötiges Sammel- und Transportsystem schneidet das Verfahren ökologisch und wirtschaftlich relativ schlecht ab.

Recyceln mit einer getrennten Sammlung und Rückführung von Abfällen wird erst ab einer ausreichend großen Menge eines Ausgangsmaterials ökonomisch sinnvoll und nachhaltig. Bei einer maximalen Menge von etwa insgesamt 40.000 Tonnen Celluloseacetat in Deutschland durch den Konsum von Zigaretten - im Verhältnis zu den etwa 6,15 Mio. Tonnen Kunststoffabfällen in Deutschland, und angesichts des stetig sinkenden Konsums von Zigaretten, muss dies hier in Frage gestellt werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt halten wir als BVTE das Recycling von Zigarettenabfällen für nicht sinnvoll oder zielführend. Dennoch befürworten wir Aktivitäten von Organisationen wie Tobacycle und begrüßen das Engagement, weil es für die Problematik sensibilisiert.

Ziel beim Recycling ist es schließlich, einen Rohstoff zurück in den Wertstoffzyklus zu führen – das Problem achtlos weggeworfener Zigarettenabfälle ist aber nicht der Verlust von Rohstoffen. Das Aufstellen eigener Sammelbehältern kann sinnvoll sein, aber auch getrennt gesammelte Zigarettenabfälle sollten anschließend über den Restmüll der thermischen Verwertung zugeführt werden.

Sollte es ein Pfandsystem für Zigarettenabfälle geben?

Wir vom BVTE halten ein Pfandsystem für Zigarettenabfälle weder für angemessen noch für wirtschaftlich oder ökologisch sinnvoll.

Es gibt Projekte, die den Aufbau eines Pfandsystems vorschlagen, damit weniger Zigarettenabfälle in der Umwelt landen (z.B. die Aufheber). Betrachtet man das Modell eines Pfandsystems im Detail, wird jedoch schnell klar, welche enorme Infrastruktur und Logistik hierfür aufgebaut werden müsste. In Deutschland gäbe es eine hohe Zahl an potenziellen Rücknahmestellen für Zigarettenstummel (Tabakwareneinzelhandel, Tankstellen, Supermärkte). Diese müssten Platz zum Lagern schaffen, der den hygienischen Anforderungen des Lebensmittelhandels genügt. Es müssten ausreichend Sammelbehälter für etwa 12 Millionen Raucher in Deutschland (ohne Besucher und Verluste, Lagerbestände etc.) entwickelt und produziert werden. Diese Behälter müssten hitzebeständig, auslauf- und geruchssicher sein und ihre Herstellung würde wertvolle Ressourcen verbrauchen. An den Rücknahmestellen müsste die Identifizierung des Pfandgutes (bei geschlossenem Sammelbehälter) sicherstellen, dass eine bestimmte Anzahl von Zigarettenabfällen im Behälter ist. Die Händler müssten in finanzielle Vorleistung gehen und diese Leistung bürokratisch verwaltet und nachvollzogen werden. National ließe sich ein solches System kaum aufbauen, denn in Deutschland werden nicht nur Zigaretten konsumiert, die hier gekauft werden: über Touristen und Grenzeinkäufe gibt es einen nicht unerheblichen Anteil von Zigaretten, der die Grenzen passiert. Das zeigt die seit 2014 jährlich durchgeführte Entsorgungsstudie des Hamburger Marktforschungsinstituts IPSOS.

Die Idee des Pfandsystems ist wiederum verbunden mit einem sich anschließenden Recyclingprozess des Pfandguts (siehe oben „Kann man Zigarettenabfälle recyceln?“). Da Zigarettenfilter aktuell gesamtwirtschaftlich betrachtet nicht sinnvoll recycelt werden können, ist auch ein Pfandsystem nicht sinnvoll. Der Einwand, dass der Aufbau eines Pfandsystems nicht erfolgen würde, um wertvolle Rohstoffe zurückzugewinnen, sondern damit Konsumenten aufhören, ihre Zigarettenabfälle in die Umwelt zu werfen, führt auf einen teuren Umweg. Der beste Weg zur Reduzierung von Zigarettenabfällen besteht darin, die Änderung des Verbraucherverhaltens voranzutreiben und eine ordnungsgemäße Entsorgung zu fördern.

Wie sollen Zigarettenabfälle entsorgt werden?

Zuhause, in privaten oder gewerblichen Räumen sollen Zigarettenabfälle mit dem sogenannten Haus- oder Restmüll entsorgt werden, im öffentlichen Raum (draußen, auf der Straße) in den dafür vorgesehenen Abfalleimern oder Aschenbechern. Falls unterwegs keine geeignete Entsorgungsmöglichkeit in der Nähe ist, sind tragbare Taschenaschenbecher die beste Zwischenlösung.

Wieviele Zigarettenabfälle werden unsachgemäß entsorgt?

Das beantworten vorhandene Studien unterschiedlich. Die meisten Aussagen hierzu beruhen auf Umfragen und Schätzungen. Dabei werden oft die Stückzahlen betrachtet, was natürlich zu höheren Zahlen führt als das Gewicht der Zigarettenabfälle tatsächlich ausmacht. Die WHO geht davon aus, dass weltweit zwischen einem Drittel und zwei Drittel aller konsumierten Zigaretten in der Umwelt landen. In Berlin hat die Technische Universität durchschnittlich 2,7 Zigarettenfilter pro qm Fläche gesammelt: In abgesteckten Versuchsflächen von 3 m² in verschiedenen Bereichen der Innenstadt (an U-Bahn-Eingängen, aber auch in Wohngebieten) wurden über 3 Monate Zigarettenabfälle
eingesammelt. Die gemittelte Zahl von 2,7 wurde dann auf die Gesamtfläche der Stadt und das Jahr hochgerechnet, so kam man rein rechnerisch zu dem Ergebnis, dass 2,4 Milliarden Zigarettenfilter jährlich in Berlin auf der Straße landen.

Selbst wenn man davon ausgeht, dass bei Hochrechnungen oft überhöhte Zahlen herauskommen – eines ist klar: zahlenmäßig ist das Problem groß, es landen zu viele Zigarettenabfälle in der Umwelt.

Wo landen die meisten Zigarettenabfälle?

Ein großer Teil aller Zigaretten oder Tabakprodukte wird zuhause, im privaten oder gewerblichen Raum konsumiert und dann über Aschenbecher und den Restmüll ganz ordnungsgemäß entsorgt. In Deutschland werden schätzungsweise 60 Prozent aller konsumierten Zigaretten über den Hausmüll entsorgt, etwa 0,1 Prozent des Hausmülls sind Zigarettenabfälle. Die über
den Hausmüll entsorgten Abfälle werden zu einem großen Teil über die Müllverbrennungsanlagen thermisch verwertet.

Ungefähr 40 Prozent aller in Deutschland gekauften Tabakprodukte werden im öffentlichen Raum konsumiert und entsorgt.

  • Ein Teil wird in Bereichen konsumiert, deren Abfälle nicht von öffentlichen Entsorgungsunternehmen, sondern privatwirtschaftlich entsorgt werden (z.B. Gewerbe, Flughäfen oder Bahnhöfe). Für diese Abfallmengen gibt es keine Daten.
  • Ein Teil der Konsumenten entsorgt seine Zigarettenabfälle in öffentlichen Abfallbehältern. Diese Abfälle stellen weder mengenmäßig noch entsorgungstechnisch ein Problem dar. Der gewichtsmäßige Anteil an Zigarettenabfällen in öffentlichen Abfalleimern liegt zwischen 0,5 und 1,9 Prozent.
  • Das Problem ist der gelitterte Anteil von Zigarettenabfällen: der Anteil der Tabakprodukte, die im öffentlichen Raum konsumiert und dann achtlos auf dem Bürgersteig, der Straße oder in der Umwelt entsorgt werden.
  • Die meisten dieser weggeworfenen Zigarettenabfälle werden regelmäßig maschinell als Straßenkehricht aufgenommen oder in den Sieben der Sinkkästen (Gullis) zurückgehalten. Von den jährlich anfallenden 8,95 kg Straßenkehricht pro Einwohner in der Stadt Trier liegt der gewichtsmäßige Anteil der Zigarettenabfälle bei 0,52 Prozent. In der Innenstadt ist dieser Anteil
    mit 1,71 Prozent sehr viel höher als in Wohngebieten, wo der Anteil im Schnitt bei 0,18 Prozent liegt. Eine weitere Untersuchung kommt zu einem etwas höheren Gewichts-Anteil von 1,2 Prozent Zigarettenabfälle im Straßenkehricht. In den Sinkkästen machen Zigarettenabfälle rund 1 Prozent der zurückgehaltenen Abfälle aus.
  • Der Teil der gelitterten Zigarettenabfälle, der nicht regelmäßig mit den Straßenkehrmaschinen aufgenommen wird – dieser sogenannte „Streumüll“ – ist keine einheitlich geführte Kategorie in der Abfallwirtschaft und wird in den Kommunen und Entsorgungsbetrieben unterschiedlich zugeordnet. Daher gibt es hierzu wenig vergleichbare Daten. In den in Deutschland durchgeführten Untersuchungen macht der gewichtsmäßige Anteil der Zigarettenabfälle zwischen 0,54 und 2,2 Prozent des anfallenden Streumülls aus.
Wieviel wiegt Zigarettenabfall?

Der Filter einer Zigarette wiegt etwa 0,2 g. Zigarettenabfälle können mehr wiegen, wenn die Zigaretten nur teilweise geraucht wurden und den Filtern noch Reste von Tabak und Papier anhaften, oder wenn sie mit Schmutz oder Feuchtigkeit in Kontakt gekommen sind. Der Abfall einer Zigarette wiegt in den unterschiedlichen Abfallsorten zwischen 0,37 g bis 0,52 g.

Wieviel Zigarettenabfall entsteht jährlich in Deutschland?

In Deutschland wurden im Jahr 2020 73,8 Mrd. versteuerte Zigaretten mit Filter verkauft. Das sind 888 Zigaretten pro Einwohner im Jahr. Ausgehend von einem mittleren Gewicht der Zigarettenabfälle von 0,45 g wären das circa  33.000 Tonnen. Rechnet man den nicht in Deutschland versteuerten Anteil an Zigaretten hinzu, so ergibt sich ein maximaler Wert von 88,6 Mrd. Zigaretten und damit etwa 40.000 Tonnen. Wenn man annimmt, dass circa 40 Prozent aller Zigaretten im öffentlichen Raum konsumiert werden, so könnten dort theoretisch 16.000 Tonnen Zigarettenabfälle anfallen.

Zur Größeneinordnung: Jährlich fallen in Deutschland insgesamt etwa 6,15 Millionen Tonnen Abfall aus Kunststoff an.